Hier ein kurzer Reisebericht von Mimi.
Er umfasst die Stationen Deutschland, Schweiz, Frankreich und Spanien.
Die ersten Tage
Nachdem
wir die letzten drei Tage nur unsere Sachen gepackt und die Wohnung geputzt
hatten, sollte es am ersten Oktober um zwölf Uhr los gehen. Unsere
Zwischenmieterin war auch schon da und hat uns verabschiedet. |
|
|
In
den nächsten Tagen wanderten wir nach Biberach, Bad Waldsee, Weingarten,
Meckenbeuren bis zum Ufer des Bodensees. Wir hatten einen heftigen
Regentag, ansonsten auch viel diesiges Wetter mit Sprühregen. Wir sind
täglich zwischen 15 und 20 km gelaufen. Die Schuhe mussten erst einmal
eingelaufen und die Ausrüstung getestet werden. Zweimal haben wir
privat bei Leuten übernachtet und dreimal in Hotels und Pensionen. In
Biberach durften wir zu einem Pilgerpreis im dortigen Parkhotel mit
Thermalbad übernachten. |
![]() Am Bodensee haben wir die Fähre nach Konstanz genommen. Das Fahren über den See war auch ein Abschied von Deutschland und ein Ausblick auf die Schweiz. In Konstanz sind wir ein Wochenende bei meiner Freundin Natalie geblieben. Dort haben wir uns neue Jacken und Fließpullover gekauft. Die alten Sachen haben einfach nichts mehr getaugt. |
So langsam läuft man sich ein
Dieses Land ist fast unendlich groß...
Ab
Genf wandert man eine ganze Weile an der Rhône entlang. Wir haben von der
Genfer Pilgerin ein kleines Heft bekommen, wo alle Unterkunftsmöglichkeiten
drin stehen. Oft haben wir im Chambre d'Hôte oder bei Familien, die nur
Pilger aufnehmen, geschlafen. Dort hat man einen ganz intensiven Kontakt zur
Bevölkerung. Wir haben bis zur spanischen Grenze sehr viele nette Familien
kennen gelernt. |
Auf dem Weg nach Le Puy en Velay wandert man nur durch
kleine Dörfer. Der größte Ort hat ca. 10.000
Einwohner. Das kommt einem dann schon vor wie eine Großstadt. Ronald musste
zum ersten Mal zum Schuster, um eine neue Sohle auf die Wanderschuhe kleben
zu lassen. Das hat er im Laufe der Reise noch dreimal mehr machen lassen
müssen. Meine Schuhe haben nur eine neue Sohle in Spanien bekommen. Übrigens
sind Picknickbänke in Frankreich sehr rar. |
In
einer Kneipe haben wir "Rapido" kennen gelernt. Das ist so ähnlich wie
Lotto. Man kann aber alle fünf Minuten gewinnen und man muss acht Zahlen aus
zwanzig ankreuzen. Dazu noch eine von vier Gewinnreihen. Mathematiker können
jetzt ja mal die Chancen ausrechnen. Wir haben jedenfalls nur einmal zehn
Euro gewonnen.Im Dezember lief die Rugby-Weltmeisterschaft, die wir auf Kneipenfernsehern verfolgt haben. Frankreich spielte nicht so schlecht (bis zum Halbfinale), die Engländer waren aber besser. Die haben die Meisterschaft nämlich in einem sehr spannenden Endspiel gegen Neuseeland gewonnen. Schade, dass Deutschland keine gute Rugby-Mannschaft hat. |
Seitdem
wir die Esel in der Schweiz getroffen haben, dachten wir über den Kauf eines
Tragtieres nach. Immer wieder haben wir Esel und Pferde auf den Weiden
gesehen. Oft haben wir gesammelte Äpfel an sie verfüttert oder Gras. Einen
Tag haben wir eine Anzeige in der Zeitung gesehen: "Poulaine haflinger" und
eine Telefonnummer. Ron hat dort angerufen und mit einigen Mühen
herausgefunden, wie der Verkäufer heißt und wo er wohnt. |
Er
sprach einen starken okzidentalen Dialekt. Nachdem wir auch den Preis
erfahren haben, sind wir nach St. Etienne getrampt und haben dort einen
Mietwagen genommen, um zu den Verkäufern zu fahren. Die waren sehr nett. Sie
hatten auch eine Gîte und zwei Haflingerstuten, die sie verkaufen wollten.
Wir hätten gerne beide genommen, aber die eine humpelte nach zwei Tagen und
dafür hätten wir auch nicht genug Geld gehabt. Wir haben einige Touren mit
unserer Zukünftigen gemacht und sie dann gekauft. Die Béals haben sie noch
beschlagen lassen und uns einen Termin beim Tierarzt verschafft. Der Sohn
Hervé hat uns am fünften Tag mit einem Viehtransporter einen Tagesmarsch
vom Jakobsweg entfernt hingebracht. Mehr darüber kann man unter
Sonstiges lesen. |
In
diesen Tagen war auch die große Überschwemmung in Frankreich. Bei den Leuten
hat es jeden Tag wie aus Eimern gegossen. An dem Tag unserer Abfahrt klarte
es schon wieder ein wenig auf, aber die Straßen waren zum Teil überschwemmt,
so dass man Umwege fahren musste. Am ersten Tag mit dem Pferd stand das
Wasser zum Teil noch so hoch, dass wir total nasse Füße bekommen haben. |
Mit
dem Pferd lief uns auch gleich am ersten Tag ein wunderschöner Hund zu.
Leider hat er nie geschnallt, dass man besser nicht auf der Straße läuft.
Einmal ist er auch heftig angefahren worden, aber zum Glück ist weder ihm
noch dem Auto etwas passiert. Danach ging es auch ein bisschen besser. Auf
jeden Fall hat er uns ein paar bösartige Hunde vom Hals gehalten.
|
In
den ersten Tagen mussten wir uns ziemlich stark auf das Pferd konzentrieren.
Sie musste ja lernen, wie man an der Leine läuft. Mal ist sie weggelaufen,
dann ist der Sattel vom Rücken gerutscht, aber insgesamt war sie mit uns
sehr geduldig. Nach und nach wurde sie auch richtig anhänglich. Dann hat sie
während der Mittagspause nach Brot gebettelt oder unsere Füße angeknabbert.
Weinkorken hat sie mit Vorliebe gegessen. Sonst aber eher Gras, Hafer und
Brot. Wir haben mehrmals täglich Fresspausen für sie eingelegt. Da wir in
Frankreich unsere Übernachtungsmöglichkeit immer reserviert haben, hatten
wir auch nie Probleme mit ihrer Unterkunft. Sie war nachts immer auf einem
Feld oder einer kleinen abgesteckten Grünfläche. Ställe mochte sie gar
nicht. |
Und
endlich erreichten wir Le Puy en Velay. Der große Pilgerort in Frankreich.
Von dort aus starten viele Franzosen, Schweizer und Deutsche. Wir haben
Carla zu einem Pferdehof am Rande der Stadt gebracht. Wir selbst haben in
der Kapuziner-gîte übernachtet. Die wird von einem Ulmer und seiner
französischen Frau geleitet. Die Stadt ist sehr schön und eine zweite Reise
wert. Da sie in einem ehemaligen Vulkangebiet liegt, ragen mitten in der
Stadt Felsspitzen aus Vulkangestein aus dem Boden hervor. Auf einer dieser
Spitzen steht eine Kapelle. In der Stadt gibt es auch einen Sattler. Da
unser Sattel gerissen war, haben wir ihn dort reparieren lassen. Der Sattler
arbeitete gerade an einem Sattel für Behinderte. |
Morgens
um 7.00 Uhr ist in der Kathedrale in Le Puy eine Frühmesse mit
anschließender Segnung der Pilger und Pilgerinnen. Zu unserer Überraschung
war dort noch ein anderer Pilger außer uns. Er kam aus der französischen
Schweiz. Seine Ausrüstung war aber mehr als dürftig. Er hatte statt Rucksack
eine Reisetasche und einen kleinen Rucksack. Außerdem Turnschuhe. Im Gepäck
hatte er neben einigen CD's auch ca. 20 Kristallsteine, die ihm Kraft geben
sollten. Nach vier Tagen hat er seine Pilgerung beendet. Man muss schon
richtig ausgerüstet sein, um den Weg wandern zu können. Vor allem im Winter. |
Nach
Le Puy kommt man bald in eine Landschaft namens Aubrac. Sie liegt auf ca.
800-1000 m. Es ist dort sehr kahl und kalt. Ständig bläst ein eisiger Wind.
Die einzigen Bewohner sind Schafe und eine besondere Rasse von Rindern.
Diese sind besonders schön, denn ihre Augen sind schwarz umrandet. Man hat
den Eindruck sie hätten sich stark mit einem Kajalstift geschminkt.Dort lebte zu einer Zeit eine Bestie, ein großer Wolf. Er tötete in kurzer Zeit neben Schafen auch mehrere Kinder und Frauen. Selbst der König sandte seine Mannen, um die Bestie zu erschlagen, aber sie hatten keinen Erfolg. Erst ein einheimischer Jäger konnte das Tier erlegen. Als Erinnerung sind in vielen Dörfern und Städten Statuen des Wolfes aufgestellt. |
Man
durchquert das wunderschöne mittelalterliche Dorf Conques. Dort ist eine
kleine Bruderschaft mit fünf Brüdern. Sie bieten Übernachtungsmöglichkeiten
für Pilger und Pilgerinnen an. Morgens um 7.00 Uhr gibt es auch dort eine
Frühmesse mit anschließender Segnung.Es ging hinab an die Célé. Dort sah man noch viele Spuren der Überschwemmung. Die Häuserwände waren bis ca. zwei Meter Höhe ganz nass und in den Bäumen und Büschen hing Dreck und Abfall. |
Das Wetter
war sehr mild, fast frühlingshaft. Das ging einher mit vielen Regentagen und
Nebel. Das Weihnachtsfest verbrachten wir in einer gîte in Livinhac le Haut.
Etwas besonderes haben wir eigentlich nicht gemacht. Sylvester waren wir bei einer Frau, die wegen einer starken Erkältung nicht auf eine mit ihrem Ehemann geplante Urlaubsreise gehen konnte. Er ist dann allein gegangen, und wir haben mit ihr gefeiert. Sie hat uns ein fantastisches Abendessen mit foie de canard gemacht. Um halb zwölf war sie aber schon total erschöpft, so dass Ron und ich allein auf das neue Jahr angestoßen haben. Wir wanderten durch die Gascogne und andere Departements. Dort gibt es mehr Enten als Einwohner. In diesen Landstrichen haben wir die nettesten Menschen kennen gelernt. |
Dann
kamen wir in das Baskenland. Wunderschön! Sanfte grüne Hügel, Wälder, Schafe
und Ziegen. Sehr sehr nette Menschen. Die Straßenschilder sind in
französisch und baskisch. Die Einwohner sprechen untereinander nur baskisch.
Das ist eine Sprache, die mit keiner europäischen etwas gemein hat. Man
behauptet, dass sie Ähnlichkeiten mit den Ursprachen der Azteka hat. Wir erreichten St.-Jean-Pied-de-Port, die letzte Stadt vor der spanischen Grenze. Dort verbrachten wir drei Tage in einer Gîte mit einem sehr netten "Hospitalero". |
Die letzen 800 km schaffen wir jetzt auch noch
Von
St.-Jean-Pied-de-Port ging es 30 km den Berg hoch nach Roncesvalles. Da auf
den Bergen Schnee liegen sollte, hat man uns empfohlen die Strasse zu gehen.
Zum Glück war es Samstag und es kamen kaum Autos den Pass entlang. Die zog
sich aber lange hin. Als es schon dunkel wurde, kamen wir an den höchsten
Punkt. Von dort aus waren es noch ca. 2 km bis zum Kloster. Bei denen hatte ein paar Tage vorher ein Unwetter die Herberge verwüstet. Sie hatten nur zwei kleine Zimmer ohne Heizung, in denen schon 9 Pilger lagerten. Wir haben uns entschlossen, in ein Hotel am Ort zu gehen. Dort gab es sogar eine Badewanne. Nach dem nasskalten Wetter habe ich mich richtig auf ein Bad gefreut. Leider hatten sie am Abend kein warmes Wasser mehr. |
Zwei
Tage später trafen wir einen Reporter und einen Fotografen von der
spanischen Geo. Sie sollten innerhalb von zehn Tagen anlässlich des heiligen
Jahres eine Reportage über den Camino schreiben. Leider hatten sie total
Pech mit dem Wetter. Am Abend haben wir von unserem Weg erzählt. Am Morgen
haben sie ein paar Fotos von uns gemacht. Dabei musste der Reporter den
Kameramann auf einem Sackkarren ziehen, damit dieser die Schärfe am
Fotoapparat nicht dauernd verstellen musste. Der Reporter hat geschimpft wie
ein Rohrspatz und meinte, er hätte wohl den falschen Beruf gewählt. In einer
Sonderausgabe von der spanischen Geo, die im April erschienen ist, sind wir
abgebildet. |
Ab
Roncesvalles haben wir jeden Tag viele
Pilger und Pilgerinnen getroffen. Wir waren immer so zehn auf dem Camino.
Dabei handelte es sich zumeist um Spanier. Zum Glück gehen diese nach einem
festen Schema. Sie haben feste Etappenziele, von denen sie auch nicht
abweichen. Wir brauchten nur die weniger frequentierten Herbergen zwischen
diesen Zielen zu wählen und waren wieder allein. Es hatte sowieso wenig Sinn
mit den Spaniern zusammen zu laufen, da nur wenige eine Fremdsprache
beherrschen und wir beide kein Spanisch sprechen. |
Es
war die Zeit der Mandelblüte. Das Wetter wurde nun auch wieder besser und
wir konnten schöne Tage genießen. Leider waren die Übernachtungen mit Pferd und Hund sehr schwierig. Die Spanier sind keine Tierfreunde. Die wenigsten Herbergen (auf dem französischen Weg) waren auf die Aufnahme von Pferd oder Hund vorbereitet. Felder gab es auch keine. So mussten wir uns immer wieder etwas einfallen lassen, was manchmal sehr mühselig war. Außerdem wurden viele Herbergen im Januar und Februar noch renoviert. Sie waren also unbenutzbar. Das merkte man allerdings erst, wenn man abends vor der verschlossenen Tür stand. Das eine oder andere Mal mussten wir draußen übernachten. Erfroren sind wir nicht. |
Linux
ist uns im französischen Baskenland zugelaufen. Er ließ sich nicht
abschütteln. Also haben wir ihn mitgenommen, waren uns aber nicht sicher, ob
wir ihn wirklich behalten wollten. In Ulm haben wir keine geeignete Wohnung
und wir leiden beide an einer Tierhaarallergie. In Estella haben uns zwei
kanadische Spanier, die perfekt englisch sprachen, erklärt, dass man den
Hund der Polizei übergeben kann. Diese suchen dann die Besitzer. Inzwischen
hatten wir auch eine Telefonnummer auf seinem Halsband entdeckt. Die
Kanadier übergaben den Hund der Polizei. |
Zwei
Tage später haben wir dann endlich jemanden unter der Telefonnummer
erreicht. Der Mann erklärte mir, dass sie den Hund schon lange jemand
anderem übergeben hatten. Die neuen Besitzer hätten das Halsband von ihm
nicht gewechselt. Uns war sofort klar, dass sie Linux nicht mehr wollten.
Wenn ein Hund in Polizeigewahrsam ist und nach zwei Wochen nicht abgeholt
wird, wird er umgebracht. Die Spanier sind da nicht so zimperlich. Also
haben wir beschlossen, ihn wieder abzuholen. Die Organisation hat der
kanadische Spanier aus dem Internetcafé übernommen. Für uns ein Engel! Wir
hätten weder der Polizei noch dem Taxiunternehmen erklären können, was wir
wollen. Nun blieb der Hund bei uns. |
Gleich
hinter Estella kommt man zu einem Werbegag der besonderen Art. Die Bodegas
Irache hat eine Weinquelle für Pilger und Pilgerinnen aufgebaut. Dort kommt
aus einem Hahn Wasser und aus dem anderen Wein. Kosten tut das nichts. Es
gibt sogar eine Webcam.Das Leben eines Pilgers in Spanien besteht vor allem aus wandern (ist ja klar) und Wein trinken. Der kostet dort nämlich so gut wie nichts. Zum Frühstück gibt es nur ein süßes Stückchen und guten Kaffee. Mittagessen bekommt man so ab halb zwei bis vier Uhr. Abendessen gibt es frühestens ab 20 Uhr. Geht man Essen bekommt man meistens ein 3-Gänge-Menü. Dazu eine Flasche Wein oder Wasser. Das Menü kostet zwischen 7-12 €. |
|
Einen Tag entdeckten wir eine wahre Oase. Ein Pferdehof, der einer Schweizerin gehörte. Wir waren so froh! Endlich mal keinen Kummer mit den Tieren. Im Gegenteil, dort hat man sich über sie sehr gefreut. Wir durften zwei Tage bleiben und haben auch bei der Stallarbeit geholfen. Kathrin hat uns zusätzlich noch unheimlich viel über Pferde beigebracht. Außerdem hat sie uns einen Pflock geschenkt, um Carla in der Nacht anbinden zu können, aber so, dass sie noch fressen konnte. |
Bald
darauf erreichten wir Burgos. Eine wunderbare Stadt. Carla und Linux ließen
wir auf einem Pferdehof vor der Stadt. In Burgos ist der Maurenvertreiber El
Cid bekannt. Die Kathedrale ist die schönste, die wir je gesehen haben. Sie
ist voller Kunstwerke. Der Eintritt lohnt sich auf jeden Fall!Durch die Stadt zu gehen, war mit den Tieren nicht so schlimm. In Pamplona und Léon läuft man auf breiten Bürgersteigen. In Burgos sind wir durch eine Parkanlage gewandert, die durch die ganze Stadt an einem Fluss entlang geht. Blöd ist nur, dass man mit einem Hund in kein Lokal kommt. Er muss immer draußen warten. Er darf auch in keiner Herberge übernachten. Meistens muss man sogar selbst ein Dach für ihn finden. Wir haben Pferd und Hund immer zusammen untergebracht. So konnten wir auch sicher gehen, dass uns Carla nicht gestohlen wird. |
In
Spanien gibt es Pilgerherbergen auf dem ganzen Camino. Dort dürfen nur
Pilger und Pilgerinnen mit einem Pilgerpass übernachten. Sie sind sehr
günstig, zwischen Spende und 10 € (Luxusherberge). Dafür sind sie oft auch
sehr einfach. Meistens gibt es keine Heizung, selten eine Küche (noch
seltener eine die funktioniert), immer Mehrbettzimmer. Viele Hospitaleros -
das sind diejenigen, die sich um die Herberge kümmern - sind dafür sehr nett
und hilfsbereit. |
Ab
Burgos wurde die Landschaft sehr eintönig. Wir haben sie immer Sim-Jakobsweg
genannt. Rechts die Autobahn, dann eine Landstraße, daneben der Jakobsweg
aus weißem Sand. An dessen Rand Platanen. Der Weg ging gerade, manchmal auch
durch brachliegende Felder. Am Morgen sah man schon, wo man abends sein
würde. Das zog sich hin bis Astorga. Da braucht man eine starke Psyche, um
das durchzuhalten. |
In
dieser Mondlandschaft tappte Carla Linux eines Tages auf den Hinterfuß. Die
Pfote war total zerquetscht. Zum Glück ist das direkt neben einem einsam
stehenden Bauernhof passiert. Der Bauer hat mich, nachdem er verstanden
hatte, was los war, zur nächsten Tierärztin gefahren. Sie hat keinen Bruch
festgestellt und die Pfote getackert und verbunden. Sie hat gesagt, wir
dürften weiterlaufen, müssen die Tacker aber nach acht Tagen herausnehmen
lassen. Weil er nun nicht lange laufen konnte, haben wir ihn abwechselnd
getragen. Mal Ron, mal ich, mal Carla. Besonders glücklich war er darüber
nicht. |
Acht
Tage später waren wir Léon. Der erste Tierarzt war ein echter
Pfuscher. Er riss die Tacker heraus, verband die Pfote und sagte, wir
sollten mal weiterlaufen. Am nächsten Morgen war der Fuß eine Katastrophe.
Alles war wieder aufgerissen. Wir sind zu einer anderen Tierärztin gegangen.
Sie schaltete eine Telefonkonferenz mit einer englischen Kundin, damit wir
uns auch richtig verständigen konnten. Fazit war, der Hund darf nicht
weiterlaufen. Er soll zwei Wochen in ein Hundehospital. Das hat Blanca uns
auch gleich organisiert. Carlos hat uns sein Hospital gezeigt. Linux kam mit
den anderen Hunden dort gut zurecht und sehr teuer war das auch nicht. Also
haben wir uns von ihm getrennt und sind allein mit Carla weiter gelaufen. |
Ab
Astorga wurde die Landschaft dann richtig schön. Wir haben sogar ein wenig Winter
erlebt. Einige Bergketten mussten überquert werden. Auf einem dieser Berge
wohnt
Thomas. Er ist ein Tempelritter und hat eine kleine albergue. Wir haben
einen Kaffee bei ihm getrunken. Da es erst mittags war, sind wir noch weiter
gelaufen.Wir trafen eine belgische Familie, die schon seit April 2003 mit ihren zwei Kindern (6 und 9 Jahre) und zwei Eseln auf dem Jakobsweg unterwegs war. Sie überwinterten in einem Hippiedorf und waren nun den ersten Tag wieder unterwegs nach Sevilla. Am Morgen waren ihre Esel weg. Während die Eltern und Ron nach ihnen gesucht haben, durften die Kinder auf Carla reiten. |
Von
dort an waren wir eigentlich immer mit denselben Pilgern unterwegs. Man hat
sich immer wieder getroffen, zusammen gegessen und getrunken. Dabei waren
zwei Belgier, ein Schweizer, ein Deutscher, zwei Spanierinnen und zwei
Kanadierinnen. Der Schweizer war so begeistert von unserem Pferd, dass er es
am Ende unserer Reise gekauft hat, und nun mit ihm unterwegs. |
Die
letzten hundert Kilometer waren dann ziemlich heftig mit den vielen Pilgern.
So langsam wurde es in den Herbergen unangenehm voll. Am Wochenende waren
dann noch Kurzzeitpilger unterwegs, so dass man gar keine Ruhe mehr auf dem
Weg gefunden hat. Wir waren sehr froh, als wir endlich Santiago de
Compostela erreicht haben. |
Wir
haben nicht in der Stadt übernachtet, weil man uns im voraus gewarnt hat,
dass das mit den Tieren fast unmöglich ist. Stattdessen waren wir in einer
sehr hübschen Pension ca. 7 km entfernt von Santiago. Dort gab es einen
großen Park, wo Carla nach Lust und Laune fressen und laufen konnte.Am kommenden Tag sind wir dann ohne Tiere in die Stadt gegangen, haben unsere Pilgerurkunde abgeholt und der Mittagsmesse beigewohnt. Das war ein Spektakel! Es waren total viele Menschen dort. Auch Schulklassen und Bustouristen. Am Ende des Gottesdienstes wurde das Weihrauchfass den Gang entlang geschwenkt. Ganz dicht an unseren Köpfen vorbei, da wir in der ersten Reihe saßen. Die Stadt an sich ist ganz schön, aber ich will ja nicht zu viel verraten. Unseren inzwischen wieder gesunden Hund haben wir mit einem Mietwagen in Leon abgeholt. |
Nach
zwei Tagen Ruhe in Santiago sind wir nach Finisterra gewandert. Das sind
noch einmal ca. 100 km. Da war der Weg traumhaft schön. Die Unterkunft mit
Pferd und Hund war gar kein Problem mehr. Am Meer angekommen ist Ron mit Linux ins Wasser gegangen. Carla fand das Salzwasser nicht so toll und vor den Wellen hatte sie Angst. In Finisterra sind wir vier Tage geblieben, bis meine Eltern gekommen sind und uns mit dem Auto abgeholt haben. Linux ist jetzt bei uns in Ulm. Carla darf noch eine Weile weiterwandern. |