Reisebericht

Hier ein kurzer Reisebericht von Mimi.

Er umfasst die Stationen Deutschland, Schweiz, Frankreich und Spanien.

 

Deutschland

Die ersten Tage

Nachdem wir die letzten drei Tage nur unsere Sachen gepackt und die Wohnung geputzt hatten, sollte es am ersten Oktober um zwölf Uhr los gehen. Unsere Zwischenmieterin war auch schon da und hat uns verabschiedet.


Wir hatten schönes Wetter und sind ca. 20 km an der Donau und später parallel zur B 311 entlang gelaufen. Unser erstes Ziel war das Cursillo-Haus in Oberdischingen. Dort entsteht zur Zeit ein kleines Pilgerzentrum. Ein Brunnen mit einer Jakobusfigur und eine schwarze Madonna (diese ist sehr selten) laden zum Betrachten ein.


In den nächsten Tagen wanderten wir nach Biberach, Bad Waldsee, Weingarten, Meckenbeuren bis zum Ufer des Bodensees. Wir hatten einen heftigen Regentag, ansonsten auch viel diesiges Wetter mit Sprühregen. Wir sind täglich zwischen 15 und 20 km gelaufen. Die Schuhe mussten erst einmal eingelaufen und die Ausrüstung getestet werden. Zweimal haben wir privat bei Leuten übernachtet und dreimal in Hotels und Pensionen. In Biberach durften wir zu einem Pilgerpreis im dortigen Parkhotel mit Thermalbad übernachten.

Am Bodensee haben wir die Fähre nach Konstanz genommen. Das Fahren über den See war auch ein Abschied von Deutschland und ein Ausblick auf die Schweiz. In Konstanz sind wir ein Wochenende bei meiner Freundin Natalie geblieben. Dort haben wir uns neue Jacken und Fließpullover gekauft. Die alten Sachen haben einfach nichts mehr getaugt.

 

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Schweiz

So langsam läuft man sich ein

Als wir in Konstanz losgelaufen sind, hatten wir das Gefühl: "Jetzt geht es erst so richtig los!". Die Schweiz ist ein tolles Land. Im Nachhinein war es dort von der Landschaft, den Wanderwegen und den Einwohnern am besten. Wir mussten fast nie auf Asphaltstraßen gehen. Die Wanderwege führten uns durch schöne Wälder und die Ausschilderung war perfekt. Wir haben oft bei Privatpersonen übernachtet. Das war zwar für deutsche Verhältnisse immer noch teuer, aber in der Schweiz die wohl günstigste Übernachtungsmöglichkeit - vom Zelten und Schlafen im Stroh mal abgesehen. Dafür war es aber schon zu kalt.
Natürlich mussten wir einige Berge übersteigen (das Hörnli, den Sattel u.a.). Mit dem Rucksack auf dem Rücken war das auch ziemlich anstrengend. Um hin und wieder mal eine Pause zu machen, haben wir uns viele Kirchen und Kapellen angesehen. In Fischingen wird die Heilige Idda verehrt. In einer Seitenkapelle ist ihr Sarg, in dem eine kleine Öffnung ist. Dort kann man seine Füße oder Knie hereinstrecken. Die werden dann geheilt. Wir sind auf viele Heilige, Bildstöcke und einigen Aberglauben gestoßen.
Nach wenigen Tagen haben wir Einsiedeln erreicht. Dies war im Mittelalter ein sehr wichtiger Pilgerort. Vor allem die Schwaben sind über den Schwabenweg dorthin gepilgert. Manche sollen sich sogar Erbsen in die Schuhe gesteckt haben, um ihre Qual zu erhöhen. Mir hat das Wandern immer auch so genügt. Die Blasen an meinen Füssen haben mich schon genug gequält.
In Einsiedeln steht ein sehr großes Kloster, in dem es auch eine schwarze Madonna gibt. Ihr werden je nach Kirchenkalender andere Kleider angezogen.
Als wir weiter in die Schweiz hineingewandert waren, hatten wir keine Informationen mehr über billige Privatquartiere. Wir sind dann dazu übergangen, wenn wir am Abend angekommen sind, bei den Pfarrern zu klingeln und nach einem Quartier zu fragen. Das hat immer erstaunlich gut geklappt. Auf dem Foto sieht man das Kloster Werthenstein. Dort gibt es einige Pilgerzimmer unter dem Dach. In Willisau gibt es eine eigene Einliegerwohnung für Pilger. In Fribourg hat uns der Pfarrer, weil er nichts für uns hatte, das Hotel bezahlt und uns zusätzlich ein Abendessen bei einer Ordensgemeinschaft verschafft. In Romont konnten wir leider nicht bei den Ordensschwestern übernachten, also hat uns der Pfarrer an ein Gemeindemitglied verwiesen.
Wenn wir in Kneipen oder an anderen Orten erzählt haben, was unser Ziel ist, sind wir häufig eingeladen worden. In St. Denis haben wir uns an einem Regentag mit viel heißer Schokolade und Croissants aufgewärmt. Als die Kellnerin von unseren Plänen hörte, mussten wir gar nichts bezahlen.
Wir haben auch einige Schweizer Großstädte passiert. Zuerst kamen wir nach Luzern. Dort sind wir einen Tag geblieben, um die Stadt zu erkunden. Das Zimmer in der Jugendherberge haben wir mit einer thailändischen Familie, die ihr Abendessen auf einem kleinen Gaskocher im Zimmer gekocht hat, geteilt.
In Bern sind wir zwei Tage geblieben, weil es uns so sehr gefallen hat. Auf dem Foto sieht man eine Einkaufsstraße in der Innenstadt. Dort haben wir auch den ersten Schnee erlebt.
Wenn man weiter auf dem Jakobsweg pilgert, passiert man noch Lausanne und Genf. Da wir einige Verwandte am Genfer See besuchen wollten, sind wir nicht nördlich, sondern südlich um den See nach Genf gelaufen. Wir haben meine Tante Fidi, Rons Cousine, Tante und Oma besucht. Bei der Oma haben wir eine Woche Pause gemacht.
Südlich des Sees hatte man noch nie (oder fast nie) Pilger getroffen. Eine Nacht haben wir in einer Missionsschule direkt am See verbracht. Die hatten einen Gottesdienstraum mit Panoramafenster auf den See. Eine schönere Kapelle habe ich noch nie gesehen.
Auf dem Foto sieht man das berühmte Chateau Chillon, was in den Genfer See gebaut wurde.
Einen Tag kamen uns ein paar Männer mit Eseln entgegen. Wir haben sie gefragt, wie teuer wohl so ein Esel wäre. Für umgerechnet 300,- € hätten wir ihn kaufen können.
Kaum kamen wir nach Frankreich (das passiert man für einen Tag, um dann wieder in die Schweiz zu kommen) war es vorbei mit der Nettigkeit. Der Pfarrer in Evian konnte uns gar nicht helfen. Nicht einmal mit dem Hinweis auf ein billiges Hotel.
In Genf haben wir bei einer Pilgerin übernachtet, die wir zwei Wochen vorher auf dem Weg getroffen hatten. Sie hat uns eingeladen und wir sind zwei Tage bei ihr geblieben. Wir haben die Stadt erkundet und uns Informationsmaterial für die nächste Strecke nach Le Puy en Velay besorgt.

 

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Frankreich

Dieses Land ist fast unendlich groß...

Ab Genf wandert man eine ganze Weile an der Rhône entlang. Wir haben von der Genfer Pilgerin ein kleines Heft bekommen, wo alle Unterkunftsmöglichkeiten drin stehen. Oft haben wir im Chambre d'Hôte oder bei Familien, die nur Pilger aufnehmen, geschlafen. Dort hat man einen ganz intensiven Kontakt zur Bevölkerung. Wir haben bis zur spanischen Grenze sehr viele nette Familien kennen gelernt.
Auf dem Weg nach Le Puy en Velay wandert man nur durch kleine Dörfer. Der größte Ort hat ca. 10.000 Einwohner. Das kommt einem dann schon vor wie eine Großstadt. Ronald musste zum ersten Mal zum Schuster, um eine neue Sohle auf die Wanderschuhe kleben zu lassen. Das hat er im Laufe der Reise noch dreimal mehr machen lassen müssen. Meine Schuhe haben nur eine neue Sohle in Spanien bekommen. Übrigens sind Picknickbänke in Frankreich sehr rar.
In einer Kneipe haben wir "Rapido" kennen gelernt. Das ist so ähnlich wie Lotto. Man kann aber alle fünf Minuten gewinnen und man muss acht Zahlen aus zwanzig ankreuzen. Dazu noch eine von vier Gewinnreihen. Mathematiker können jetzt ja mal die Chancen ausrechnen. Wir haben jedenfalls nur einmal zehn Euro gewonnen.
Im Dezember lief die Rugby-Weltmeisterschaft, die wir auf Kneipenfernsehern verfolgt haben. Frankreich spielte nicht so schlecht (bis zum Halbfinale), die Engländer waren aber besser. Die haben die Meisterschaft nämlich in einem sehr spannenden Endspiel gegen Neuseeland gewonnen. Schade, dass Deutschland keine gute Rugby-Mannschaft hat.
Seitdem wir die Esel in der Schweiz getroffen haben, dachten wir über den Kauf eines Tragtieres nach. Immer wieder haben wir Esel und Pferde auf den Weiden gesehen. Oft haben wir gesammelte Äpfel an sie verfüttert oder Gras. Einen Tag haben wir eine Anzeige in der Zeitung gesehen: "Poulaine haflinger" und eine Telefonnummer. Ron hat dort angerufen und mit einigen Mühen herausgefunden, wie der Verkäufer heißt und wo er wohnt.
Er sprach einen starken okzidentalen Dialekt. Nachdem wir auch den Preis erfahren haben, sind wir nach St. Etienne getrampt und haben dort einen Mietwagen genommen, um zu den Verkäufern zu fahren. Die waren sehr nett. Sie hatten auch eine Gîte und zwei Haflingerstuten, die sie verkaufen wollten. Wir hätten gerne beide genommen, aber die eine humpelte nach zwei Tagen und dafür hätten wir auch nicht genug Geld gehabt. Wir haben einige Touren mit unserer Zukünftigen gemacht und sie dann gekauft. Die Béals haben sie noch beschlagen lassen und uns einen Termin beim Tierarzt verschafft. Der Sohn Hervé hat uns am fünften Tag mit einem Viehtransporter einen Tagesmarsch vom Jakobsweg entfernt hingebracht. Mehr darüber kann man unter Sonstiges lesen.
In diesen Tagen war auch die große Überschwemmung in Frankreich. Bei den Leuten hat es jeden Tag wie aus Eimern gegossen. An dem Tag unserer Abfahrt klarte es schon wieder ein wenig auf, aber die Straßen waren zum Teil überschwemmt, so dass man Umwege fahren musste. Am ersten Tag mit dem Pferd stand das Wasser zum Teil noch so hoch, dass wir total nasse Füße bekommen haben.
Mit dem Pferd lief uns auch gleich am ersten Tag ein wunderschöner Hund zu. Leider hat er nie geschnallt, dass man besser nicht auf der Straße läuft. Einmal ist er auch heftig angefahren worden, aber zum Glück ist weder ihm noch dem Auto etwas passiert. Danach ging es auch ein bisschen besser. Auf jeden Fall hat er uns ein paar bösartige Hunde vom Hals gehalten.
In den ersten Tagen mussten wir uns ziemlich stark auf das Pferd konzentrieren. Sie musste ja lernen, wie man an der Leine läuft. Mal ist sie weggelaufen, dann ist der Sattel vom Rücken gerutscht, aber insgesamt war sie mit uns sehr geduldig. Nach und nach wurde sie auch richtig anhänglich. Dann hat sie während der Mittagspause nach Brot gebettelt oder unsere Füße angeknabbert. Weinkorken hat sie mit Vorliebe gegessen. Sonst aber eher Gras, Hafer und Brot. Wir haben mehrmals täglich Fresspausen für sie eingelegt. Da wir in Frankreich unsere Übernachtungsmöglichkeit immer reserviert haben, hatten wir auch nie Probleme mit ihrer Unterkunft. Sie war nachts immer auf einem Feld oder einer kleinen abgesteckten Grünfläche. Ställe mochte sie gar nicht.
Und endlich erreichten wir Le Puy en Velay. Der große Pilgerort in Frankreich. Von dort aus starten viele Franzosen, Schweizer und Deutsche. Wir haben Carla zu einem Pferdehof am Rande der Stadt gebracht. Wir selbst haben in der Kapuziner-gîte übernachtet. Die wird von einem Ulmer und seiner französischen Frau geleitet. Die Stadt ist sehr schön und eine zweite Reise wert. Da sie in einem ehemaligen Vulkangebiet liegt, ragen mitten in der Stadt Felsspitzen aus Vulkangestein aus dem Boden hervor. Auf einer dieser Spitzen steht eine Kapelle. In der Stadt gibt es auch einen Sattler. Da unser Sattel gerissen war, haben wir ihn dort reparieren lassen. Der Sattler arbeitete gerade an einem Sattel für Behinderte.
Morgens um 7.00 Uhr ist in der Kathedrale in Le Puy eine Frühmesse mit anschließender Segnung der Pilger und Pilgerinnen. Zu unserer Überraschung war dort noch ein anderer Pilger außer uns. Er kam aus der französischen Schweiz. Seine Ausrüstung war aber mehr als dürftig. Er hatte statt Rucksack eine Reisetasche und einen kleinen Rucksack. Außerdem Turnschuhe. Im Gepäck hatte er neben einigen CD's auch ca. 20 Kristallsteine, die ihm Kraft geben sollten. Nach vier Tagen hat er seine Pilgerung beendet. Man muss schon richtig ausgerüstet sein, um den Weg wandern zu können. Vor allem im Winter.
Nach Le Puy kommt man bald in eine Landschaft namens Aubrac. Sie liegt auf ca. 800-1000 m. Es ist dort sehr kahl und kalt. Ständig bläst ein eisiger Wind. Die einzigen Bewohner sind Schafe und eine besondere Rasse von Rindern. Diese sind besonders schön, denn ihre Augen sind schwarz umrandet. Man hat den Eindruck sie hätten sich stark mit einem Kajalstift geschminkt.
Dort lebte zu einer Zeit eine Bestie, ein großer Wolf. Er tötete in kurzer Zeit neben Schafen auch mehrere Kinder und Frauen. Selbst der König sandte seine Mannen, um die Bestie zu erschlagen, aber sie hatten keinen Erfolg. Erst ein einheimischer Jäger konnte das Tier erlegen. Als Erinnerung sind in vielen Dörfern und Städten Statuen des Wolfes aufgestellt.
Man durchquert das wunderschöne mittelalterliche Dorf Conques. Dort ist eine kleine Bruderschaft mit fünf Brüdern. Sie bieten Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger und Pilgerinnen an. Morgens um 7.00 Uhr gibt es auch dort eine Frühmesse mit anschließender Segnung.
Es ging hinab an die Célé. Dort sah man noch viele Spuren der  Überschwemmung. Die Häuserwände waren bis ca. zwei Meter Höhe ganz nass und in den Bäumen und Büschen hing Dreck und Abfall.
Das Wetter war sehr mild, fast frühlingshaft. Das ging einher mit vielen Regentagen und Nebel. Das Weihnachtsfest verbrachten wir in einer gîte in Livinhac le Haut. Etwas besonderes haben wir eigentlich nicht gemacht.
Sylvester waren wir bei einer Frau, die wegen einer starken Erkältung nicht auf eine mit ihrem Ehemann geplante Urlaubsreise gehen konnte. Er ist dann allein gegangen, und wir haben mit ihr gefeiert. Sie hat uns ein fantastisches Abendessen mit foie de canard gemacht. Um halb zwölf war sie aber schon total erschöpft, so dass Ron und ich allein auf das neue Jahr angestoßen haben.
Wir wanderten durch die Gascogne und andere Departements. Dort gibt es mehr Enten als Einwohner. In diesen Landstrichen haben wir die nettesten Menschen kennen gelernt.
Dann kamen wir in das Baskenland. Wunderschön! Sanfte grüne Hügel, Wälder, Schafe und Ziegen. Sehr sehr nette Menschen. Die Straßenschilder sind in französisch und baskisch. Die Einwohner sprechen untereinander nur baskisch. Das ist eine Sprache, die mit keiner europäischen etwas gemein hat. Man behauptet, dass sie Ähnlichkeiten mit den Ursprachen der Azteka hat.
Wir erreichten St.-Jean-Pied-de-Port, die letzte Stadt vor der spanischen Grenze. Dort verbrachten wir drei Tage in einer Gîte mit einem sehr netten "Hospitalero".

 

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Spanien

Die letzen 800 km schaffen wir jetzt auch noch

Von St.-Jean-Pied-de-Port ging es 30 km den Berg hoch nach Roncesvalles. Da auf den Bergen Schnee liegen sollte, hat man uns empfohlen die Strasse zu gehen. Zum Glück war es Samstag und es kamen kaum Autos den Pass entlang. Die zog sich aber lange hin. Als es schon dunkel wurde, kamen wir an den höchsten Punkt. Von dort aus waren es noch ca. 2 km bis zum Kloster.
Bei denen hatte ein paar Tage vorher ein Unwetter die Herberge verwüstet. Sie hatten nur zwei kleine Zimmer ohne Heizung, in denen schon 9 Pilger lagerten. Wir haben uns entschlossen, in ein Hotel am Ort zu gehen. Dort gab es sogar eine Badewanne. Nach dem nasskalten Wetter habe ich mich richtig auf ein Bad gefreut. Leider hatten sie am Abend kein warmes Wasser mehr.
Zwei Tage später trafen wir einen Reporter und einen Fotografen von der spanischen Geo. Sie sollten innerhalb von zehn Tagen anlässlich des heiligen Jahres eine Reportage über den Camino schreiben. Leider hatten sie total Pech mit dem Wetter. Am Abend haben wir von unserem Weg erzählt. Am Morgen haben sie ein paar Fotos von uns gemacht. Dabei musste der Reporter den Kameramann auf einem Sackkarren ziehen, damit dieser die Schärfe am Fotoapparat nicht dauernd verstellen musste. Der Reporter hat geschimpft wie ein Rohrspatz und meinte, er hätte wohl den falschen Beruf gewählt. In einer Sonderausgabe von der spanischen Geo, die im April erschienen ist, sind wir abgebildet.
Ab Roncesvalles haben wir jeden Tag viele Pilger und Pilgerinnen getroffen. Wir waren immer so zehn auf dem Camino. Dabei handelte es sich zumeist um Spanier. Zum Glück gehen diese nach einem festen Schema. Sie haben feste Etappenziele, von denen sie auch nicht abweichen. Wir brauchten nur die weniger frequentierten Herbergen zwischen diesen Zielen zu wählen und waren wieder allein. Es hatte sowieso wenig Sinn mit den Spaniern zusammen zu laufen, da nur wenige eine Fremdsprache beherrschen und wir beide kein Spanisch sprechen.
Es war die Zeit der Mandelblüte. Das Wetter wurde nun auch wieder besser und wir konnten schöne Tage genießen.
Leider waren die Übernachtungen mit Pferd und Hund sehr schwierig. Die Spanier sind keine Tierfreunde. Die wenigsten Herbergen (auf dem französischen Weg) waren auf die Aufnahme von Pferd oder Hund vorbereitet. Felder gab es auch keine. So mussten wir uns immer wieder etwas einfallen lassen, was manchmal sehr mühselig war. Außerdem wurden viele Herbergen im Januar und Februar noch renoviert. Sie waren also unbenutzbar. Das merkte man allerdings erst, wenn man abends vor der verschlossenen Tür stand. Das eine oder andere Mal mussten wir draußen übernachten. Erfroren sind wir nicht.
Linux ist uns im französischen Baskenland zugelaufen. Er ließ sich nicht abschütteln. Also haben wir ihn mitgenommen, waren uns aber nicht sicher, ob wir ihn wirklich behalten wollten. In Ulm haben wir keine geeignete Wohnung und wir leiden beide an einer Tierhaarallergie. In Estella haben uns zwei kanadische Spanier, die perfekt englisch sprachen, erklärt, dass man den Hund der Polizei übergeben kann. Diese suchen dann die Besitzer. Inzwischen hatten wir auch eine Telefonnummer auf seinem Halsband entdeckt. Die Kanadier übergaben den Hund der Polizei.
Zwei Tage später haben wir dann endlich jemanden unter der Telefonnummer erreicht. Der Mann erklärte mir, dass sie den Hund schon lange jemand anderem übergeben hatten. Die neuen Besitzer hätten das Halsband von ihm nicht gewechselt. Uns war sofort klar, dass sie Linux nicht mehr wollten. Wenn ein Hund in Polizeigewahrsam ist und nach zwei Wochen nicht abgeholt wird, wird er umgebracht. Die Spanier sind da nicht so zimperlich. Also haben wir beschlossen, ihn wieder abzuholen. Die Organisation hat der kanadische Spanier aus dem Internetcafé übernommen. Für uns ein Engel! Wir hätten weder der Polizei noch dem Taxiunternehmen erklären können, was wir wollen. Nun blieb der Hund bei uns.
Gleich hinter Estella kommt man zu einem Werbegag der besonderen Art. Die Bodegas Irache hat eine Weinquelle für Pilger und Pilgerinnen aufgebaut. Dort kommt aus einem Hahn Wasser und aus dem anderen Wein. Kosten tut das nichts. Es gibt sogar eine Webcam.
Das Leben eines Pilgers in Spanien besteht vor allem aus wandern (ist ja klar) und Wein trinken. Der kostet dort nämlich so gut wie nichts. Zum Frühstück gibt es nur ein süßes Stückchen und guten Kaffee. Mittagessen bekommt man so ab halb zwei bis vier Uhr. Abendessen gibt es frühestens ab 20 Uhr. Geht man Essen bekommt man meistens ein 3-Gänge-Menü. Dazu eine Flasche Wein oder Wasser. Das Menü kostet zwischen 7-12 €.
Die Tage waren sehr neblig und verregnet. Wir hatten wenig Freude, denn es wurde immer schwieriger, dass Pferd des Nachts vernünftig unterzubringen. Zusätzliches Futter gab es gar nicht mehr zu kaufen. In Frankreich gab es Gartengeschäfte, die auch Futtermittel anboten. In Spanien musste Carla von dem leben, was sie am Straßenrand fand. Manchmal haben wir ein paar alte Brote bekommen.
Einen Tag entdeckten wir eine wahre Oase. Ein Pferdehof, der einer Schweizerin gehörte. Wir waren so froh! Endlich mal keinen Kummer mit den Tieren. Im Gegenteil, dort hat man sich über sie sehr gefreut. Wir durften zwei Tage bleiben und haben auch bei der Stallarbeit geholfen. Kathrin hat uns zusätzlich noch unheimlich viel über Pferde beigebracht. Außerdem hat sie uns einen Pflock geschenkt, um Carla in der Nacht anbinden zu können, aber so, dass sie noch fressen konnte.
Bald darauf erreichten wir Burgos. Eine wunderbare Stadt. Carla und Linux ließen wir auf einem Pferdehof vor der Stadt. In Burgos ist der Maurenvertreiber El Cid bekannt. Die Kathedrale ist die schönste, die wir je gesehen haben. Sie ist voller Kunstwerke. Der Eintritt lohnt sich auf jeden Fall!
Durch die Stadt zu gehen, war mit den Tieren nicht so schlimm. In Pamplona und Léon läuft man auf breiten Bürgersteigen. In Burgos sind wir durch eine Parkanlage gewandert, die durch die ganze Stadt an einem Fluss entlang geht.
Blöd ist nur, dass man mit einem Hund in kein Lokal kommt. Er muss immer draußen warten. Er darf auch in keiner Herberge übernachten. Meistens muss man sogar selbst ein Dach für ihn finden. Wir haben Pferd und Hund immer zusammen untergebracht. So konnten wir auch sicher gehen, dass uns Carla nicht gestohlen wird.
In Spanien gibt es Pilgerherbergen auf dem ganzen Camino. Dort dürfen nur Pilger und Pilgerinnen mit einem Pilgerpass übernachten. Sie sind sehr günstig, zwischen Spende und 10 € (Luxusherberge). Dafür sind sie oft auch sehr einfach. Meistens gibt es keine Heizung, selten eine Küche (noch seltener eine die funktioniert), immer Mehrbettzimmer. Viele Hospitaleros - das sind diejenigen, die sich um die Herberge kümmern - sind dafür sehr nett und hilfsbereit.
Ab Burgos wurde die Landschaft sehr eintönig. Wir haben sie immer Sim-Jakobsweg genannt. Rechts die Autobahn, dann eine Landstraße, daneben der Jakobsweg aus weißem Sand. An dessen Rand Platanen. Der Weg ging gerade, manchmal auch durch brachliegende Felder. Am Morgen sah man schon, wo man abends sein würde. Das zog sich hin bis Astorga. Da braucht man eine starke Psyche, um das durchzuhalten.
In dieser Mondlandschaft tappte Carla Linux eines Tages auf den Hinterfuß. Die Pfote war total zerquetscht. Zum Glück ist das direkt neben einem einsam stehenden Bauernhof passiert. Der Bauer hat mich, nachdem er verstanden hatte, was los war, zur nächsten Tierärztin gefahren. Sie hat keinen Bruch festgestellt und die Pfote getackert und verbunden. Sie hat gesagt, wir dürften weiterlaufen, müssen die Tacker aber nach acht Tagen herausnehmen lassen. Weil er nun nicht lange laufen konnte, haben wir ihn abwechselnd getragen. Mal Ron, mal ich, mal Carla. Besonders glücklich war er darüber nicht.
Acht Tage später  waren wir Léon. Der erste Tierarzt war ein echter Pfuscher. Er riss die Tacker heraus, verband die Pfote und sagte, wir sollten mal weiterlaufen. Am nächsten Morgen war der Fuß eine Katastrophe. Alles war wieder aufgerissen. Wir sind zu einer anderen Tierärztin gegangen. Sie schaltete eine Telefonkonferenz mit einer englischen Kundin, damit wir uns auch richtig verständigen konnten. Fazit war, der Hund darf nicht weiterlaufen. Er soll zwei Wochen in ein Hundehospital. Das hat Blanca uns auch gleich organisiert. Carlos hat uns sein Hospital gezeigt. Linux kam mit den anderen Hunden dort gut zurecht und sehr teuer war das auch nicht. Also haben wir uns von ihm getrennt und sind allein mit Carla weiter gelaufen.
Ab Astorga wurde die Landschaft dann richtig schön. Wir haben sogar ein wenig Winter erlebt. Einige Bergketten mussten überquert werden. Auf einem dieser Berge wohnt Thomas. Er ist ein Tempelritter und hat eine kleine albergue. Wir haben einen Kaffee bei ihm getrunken. Da es erst mittags war, sind wir noch weiter gelaufen.
Wir trafen eine belgische Familie, die schon seit April 2003 mit ihren zwei Kindern (6 und 9 Jahre) und zwei Eseln auf dem Jakobsweg unterwegs war. Sie überwinterten in einem Hippiedorf und waren nun den ersten Tag wieder unterwegs nach Sevilla. Am Morgen waren ihre Esel weg. Während die Eltern und Ron nach ihnen gesucht haben, durften die Kinder auf Carla reiten.
Von dort an waren wir eigentlich immer mit denselben Pilgern unterwegs. Man hat sich immer wieder getroffen, zusammen gegessen und getrunken. Dabei waren zwei Belgier, ein Schweizer, ein Deutscher, zwei Spanierinnen und zwei Kanadierinnen. Der Schweizer war so begeistert von unserem Pferd, dass er es am Ende unserer Reise gekauft hat, und nun mit ihm unterwegs.
Die letzten hundert Kilometer waren dann ziemlich heftig mit den vielen Pilgern. So langsam wurde es in den Herbergen unangenehm voll. Am Wochenende waren dann noch Kurzzeitpilger unterwegs, so dass man gar keine Ruhe mehr auf dem Weg gefunden hat. Wir waren sehr froh, als wir endlich Santiago de Compostela erreicht haben.
Wir haben nicht in der Stadt übernachtet, weil man uns im voraus gewarnt hat, dass das mit den Tieren fast unmöglich ist. Stattdessen waren wir in einer sehr hübschen Pension ca. 7 km entfernt von Santiago. Dort gab es einen großen Park, wo Carla nach Lust und Laune fressen und laufen konnte.
Am kommenden Tag sind wir dann ohne Tiere in die Stadt gegangen, haben unsere Pilgerurkunde abgeholt und der Mittagsmesse beigewohnt. Das war ein Spektakel! Es waren total viele Menschen dort. Auch Schulklassen und Bustouristen. Am Ende des Gottesdienstes wurde das Weihrauchfass den Gang entlang geschwenkt. Ganz dicht an unseren Köpfen vorbei, da wir in der ersten Reihe saßen.
Die Stadt an sich ist ganz schön, aber ich will ja nicht zu viel verraten. Unseren inzwischen wieder gesunden Hund haben wir mit einem Mietwagen in Leon abgeholt.
Nach zwei Tagen Ruhe in Santiago sind wir nach Finisterra gewandert. Das sind noch einmal ca. 100 km. Da war der Weg traumhaft schön. Die Unterkunft mit Pferd und Hund war gar kein Problem mehr.
Am Meer angekommen ist Ron mit Linux ins Wasser gegangen. Carla fand das Salzwasser nicht so toll und vor den Wellen hatte sie Angst.
In Finisterra sind wir vier Tage geblieben, bis meine Eltern gekommen sind und uns mit dem Auto abgeholt haben. Linux ist jetzt bei uns in Ulm. Carla darf noch eine Weile weiterwandern.

 

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